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BOM! Mai 2021

Das BOM! im Mai ist eine mit geometrischen Motiven bemalte Tonschale, die 1962 im Rahmen einer Schenkung durch den Archäologen Dick Ibarra Grasso in die Bonner Amerikas-Sammlung gelangte und von ihm als Yampará klassifiziert wurde. Die Beiträge von Ibarra Grasso zur Erforschung der Yampará-Keramik und Klassifizierung von Stilen archäologischer Keramiken Boliviens sind auch für jüngere Forschungen eine wichtige Referenz.

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Tonschale

Inv.-Nr. 2294
Ton
Yampará
Bolivien, Dpto. Cochabamba, Mizque
Sammlung Ibarra Grasso


Die Yampará lebten in den weitläufigen Tälern Boliviens in den heutigen Departamentos Cochabamba, Chuquisaca und Santa Cruz. Diese Region zwischen Hoch- und Tiefland war ethnohistorischen Quellen zufolge ein multiethnischer Raum, in dem die Yampará und andere Gruppen des sogenannten Charca-Bündnisses wie die Charcas, Chichas und Cotas lebten. Die Stile der archäologischen Keramiken dieser Region weisen jedoch eine gewisse Einheit auf, sodass Rossana Barragán Romano (1994: 141ff) von einer „unidad en la diversidad“ spricht.
Die Yampará-Keramiken lassen sich in zwei Phasen und mehrere Stile einteilen, die sich in der Zusammensetzung des Tons, Formen, Motiven und Farben unterscheiden. Die erste Phase „Yampara Temprano“ mit den Substilen „Yampara“ und „Yampara Antiguo“ (auch „Yampara Clásico“) wird auf 900-1300 n. Chr. datiert, die zweite Phase „Yampara Tardío“ mit ihren Substilen auf 1300-1540 n. Chr. (vgl. Tapia Matamala 2012: 29-34, 43). Je nach Forscher*in variieren jedoch die Bezeichnungen der Stile.
Das Tonschälchen mit der Inventarnummer 2294 kann aufgrund der Farbgebung dem Stil „Yampara Antiguo“ zugeordnet werden. Seine Form entspricht jedoch eher dem Stil „Mojocoya Tricolor“ (170-950 n. Chr.). Die Ikonographie auf der Innenseite lässt ein V-förmiges Motiv und chakanas erkennen. Letztere sind eher typisch für Keramiken aus dem Tiwanaku-Horizont (600-1000 n.C.). Es handelt sich also um eine Keramik mit Charakteristika aus mindestens zwei Epochen und verschiedenen Stilen.
Bisher ist wenig darüber bekannt, woher die Yampará in diese Täler gekommen sind. Einerseits wird vermutet, dass sie einst Pukina sprachen (Alconini 2008: 128), später sprachen sie das im Hochland verbreitete Aymara. Andererseits werden die Yampará in ethnohistorischen Quellen häufig als „indios con arco y flecha“ (Barragán Romano 1994: 1) bezeichnet. So wird eine mögliche Verbindung zum Tiefland nahegelegt, da die Verwendung von Pfeil und Bogen typisches Charakteristikum von Gruppen des Tieflandes ist. Heute gibt es in Tarabuco noch Menschen, die sich als Yampará bezeichnen, allerdings ist eine direkte Kontinuität mit den vorspanischen Yampará anzuzweifeln. Die heutigen Yampará sind für ihre Textilien sowie für ihre Musik und ihre Tänze Pujllay und Ayarichi bekannt, die seit 2014 zum von der UNESCO anerkannten Weltkulturerbe gehören. Keramik produzieren sie kaum noch..

Text und Foto: Katharina Pawlak


Literatur

  • Alconini, Sonia (Ed.). (2008): El Inkario en los Valles del Sur Andino Boliviano: los Yamparas entre la arqueología y etnohistoria. Oxford: Hadrian Books Ltd.
  • Barragán Romano, Rossana (1994): ¿Indios de arco y flecha? Entre la historia y la arqueología de las poblaciones del norte de Chuquisaca (Siglos XV-XVI). Sucre: Ediciones ASUR, (3).
  • Córdoba, Lorena & Combès, Isabelle (2015): En el corazón de América del Sur: antropología, arqueología, historia. Santa Cruz de la Sierra: Biblioteca del Museo de Historia / UAGRM.
  • Navarro, Monica (2017): Lenguas, culturas e identidades en la educación superior: investigaciones y experiencias. La Paz, Bolivia: Plural editores.
  • Tapia Matamala, Orlando (2012): Reevaluación estilística de la tradición cerámica Yampara. Aportes a los estudios alfareros de Sur de Bolivia. Magister Antropología, mención Arqueología UTA / UCN. Sucre: Universidad San Francisco Xavier.
  • UNESCO: El Pujllay y el Ayarichi: músicas y danzas de la cultura yampara.
    URL: https://ich.unesco.org/es/RL/el-pujllay-y-el-ayarichi-musicas-y-danzas-de-la-cultura-yampara-00630

 

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