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BOM! Juli 2021

Das BOM im Juli ist ein Beispiel für archäologische Objekte in musealen Sammlungen, die möglicherweise unrechtmäßig ausgegraben wurden. Die Keramik, die als Teil einer Schenkung in die Sammlung kam, könnte einen Verstorbenen im Jenseits begleitet haben.

 

Keramisches GefäßBASA_Hn57_JB2.jpg

Inv.-Nr. Hn57
Nasca
bemalter Ton
Provinz Nasca, Peru
Sammlung Teddy Hahn


Diese Keramik ist beispielhaft für die vielfältige künstlerische Ausdrucksform der Nasca-Kultur und für eine Ikonographie, die ideologische und religiöse Überzeugungen vermittelt. Zwischen 200 n. Chr. und 700 n. Chr. blühte an der Südküste Perus, in der Provinz Nasca, die gleichnamige Kultur, die unter anderem für die Produktion verschiedener teilweise polychromer Keramikstile bekannt ist. Dieses Gefäß weist die Merkmale der späten Nasca-Polychromie-Phase auf (500 n. Chr. Bis 700 n. Chr.). Es zeigt drei ikonographische Szenen:
Im oberen Teil sieht man ein cremefarbenes Band, dort kann ist eine Reihe von Nagetieren (möglicherweise Mäuse) zu erkennen, die in der Nasca-Kunst bis zur Phase 5 nur selten vorkommen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Darstellung von Nagetieren in den Gefäßen daher rührt, dass sie als Raubtiere der Feldfrüchte galten und ihre Vermehrung in direkten Zusammenhang mit einem Überfluss der Feldfrüchte gestellt wurde (Cornejo et al. 1996: 22). Gleichzeitig könnte die Darstellung auch mit einer Nagetierplage in Verbindung gebracht werden, die auf den Feldern viel Verwüstung anrichten konnte
Im mittleren Teil des Gefäßes ist eine mythische Figur zu sehen, die ein übernatürliches Wesen oder ein Fabelwesen verkörpert. Dieses Bild stellt ein mythisches Wesen von anthropomorphem Aussehen mit einer gegabelten Zunge dar, das einen ornamentalen Kopfschmuck und einen Gürtel mit Gesichtern trägt, die abgeschlagene Köpfe darstellen könnten. Die Darstellung dieser übernatürlichen Wesen suggeriert eine sakralisierte Vision ihrer Kosmovision (Golte 1998).
Im unteren Teil befinden sich zwei identische Gesichter mit geöffneten Augen, durch zwei rote Linien verbundenen Lippen, Gesichtsbemalung und Ohrenschützern, die Darstellungen von Trophäenköpfen sein könnten. Archäologischen Funde legen nahe, dass solche abgetrennten menschlichen Köpfe in einer Reihe von Riten verwendet wurden. Einige Forscher haben Nasca_ratones.pngvermutet, dass einem bedeutenden Prozentsatz der Bevölkerung die Köpfe entweder zu Lebzeiten oder nach dem Tod abgeschlagen wurden. Die Gefäße, die Trophäenköpfe darstellen, könnten bei gewissen Personen als Opfergaben in Begräbnissen die echten ersetzt haben (Cornejo et al. 1996: 24).

Foto: Daniel Grana-Behrens

Darstellung von Mäusen auf einer Nasca-Keramik
im Museo Nacional de Arqueología Antropología e Historia del Perú
(C10.584)

Quelle: Cornejo et al. 1996: 22.

 

Text: Jhon J. Valencia C.


Literatur

  • Cornejo, Luis, José Berenguer, Carole Sinclaire & Francisco Gallardo (1996): Nasca. Vida y muerte en el desierto. Santiago de Chile: Museo Chileno de Arte Precolombino.
  • De la Torre, Juan Carlos (2003): “La agricultura en la Iconografía de La cerámica Nasca. Una revisión de la colección del Museo de América de Madrid”, in: Anales del Museo de América 11, 119-136.
  • Golte, Jürgen (1998): “Las formas de generación de sentido en los cuerpos de íconos moche y Nasca”, in: Universidad de Lima (Hg.): I Encuentro Internacional de Peruanistas. Estado de los estudios histórico-sociales sobre el Perú a fines del siglo XX (Tomo II). Lima: Universidad de Lima/UNESCO/Fondo de Cultura Económica, 55-106.

 

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