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BOM! Januar 2021

Die keramische Doppelkörperpfeife mit Brückengriff und anthropomorpher Figurine ist eines von zahlreichen Musikinstrumenten der Chancay-Kultur, die auf den hohen Stellenwert von Musik für Gesellschaften der zentralperuanischen Küstenregion zwischen dem 10. und 15. Jahrhundert verweisen.

 

BASA_5503.pngDoppelkörperpfeife

Inv.-Nr. 5503
Chancay
Keramik
Peru, Zentralküste
ca. 14.-16. Jahrhundert
Sammlung Volker Vinnai


Die nach dem Fluss Chancay benannte Kultur ist eine der bedeutendsten und gleichzeitig unbekanntesten Kulturen der Zentralküste Perus. Sie prägte die Region zwischen 1000 und 1533, als die Zersetzung der Andenzivilisationen durch die Spanier begann (van Dalen 2018: 250). Zahlreiche Erzeugnisse an Töpferwaren, aber auch an Textilien herausragender Schönheit und Qualität, sind bis heute erhalten (Bákula 2000: 113). Der Großteil der Funde wurde als Beigaben in großen Grabanlagen entdeckt und lässt auf eine ausgeprägte soziale Schichtung schließen (Darvill 2008). Die Entwicklung kultureller Ausdrucksformen wie architektonische Muster, Webtechniken, ikonographische Textilmotive, Keramiktypen und -stile weist auf die Struktur einer Nation hin.
Der Stil von Keramiken und Textilien lässt sich in zwei Phasen aufteilen: Objekte der frühen Phase sind überwiegend dreifarbig dekoriert – schwarz und rot mit weißer Basis; Objekte der Späten sind meist zweifarbig gestaltet, so wie das dargestellte Pfeifgefäß (Bákula 2000: 113; van Dalen 2018: 268). Es besticht sowohl durch seine Ästhetik als auch durch seinen Klang. Eine Hörprobe bietet ein Video des Museo Larco aus Peru anhand eines vergleichbaren Objekts.
Die große Anzahl erhaltener Objekte und die weite Verbreitung von Musikinstrumenten wie Flöten, Panflöten und Pfeifen aus Holz, Tierknochen und Keramik sind Zeugnisse des starken kulturellen Austausches zwischen den benachbarten Gesellschaften und der elementaren Bedeutung von Musik für die Chancay (Bákula 2000; van Dalen 2018: 272). Sie frönten ihr anlässlich religiöser Feste oder kriegerischen Konflikten auf nationaler Ebene wie auch in den einzelnen Ayllus, bei Familienfeiern, während der täglichen Arbeit und innerhalb von romantischen Beziehungen. Die Instrumente wurden sowohl von Frauen als auch Männern gespielt (ebd.: 272-274).
Das abgebildete Pfeifgefäß ist 18 cm breit, 21 cm hoch und 6 cm tief. Die beiden Resonanzkörper sind mittig sowie durch einen Brückengriff verbunden. Die Bemalung mit geometrischen Ornamenten und abstrahierten Tiermotiven ebenso wie die raue, nicht polierte Oberfläche sind typisch für Chancay-Keramiken (Tampere o.J.). Auf dem linken Körper thront die anthropomorphe Figurine. Ihre Körperhaltung in Verbindung mit der Bedeutung solcher Musikinstrumente für andine Tänze wie den Taqui könnte auf die Darstellung einer tanzenden Person verweisen (vgl. van Dalen 2018: 273). Sie trägt einen modellierten Kopfschmuck, kreisförmige Ohrringe, ein Pektoral und eine Schürze. 

Text und Foto: Simon Hirzel und Sven Recknagel

Literatur

  • Bákula, Cecilia (2000). „The Art of the Late Intermediate Period“. in: Laura Laurencich Minelli (Hg.): The Inca World: The Development of Pre-Columbian Peru, A.D. 1000-1534. University of Oklahoma Press, S. 111-120.
  • Darvill, Timothy (2008). „Chancay”. in: The Concise Oxford Dictionary of Archaeology. Oxford University Press. URL: https://www.oxfordreference.com/view/10.1093/acref/9780199534043.001.0001/acref-9780199534043-e-770
  • Tampere (o.J.): The Chancay Culture. URL: https://www.tampere.fi/ekstrat/taidemuseo/arkisto/peru/800/chancay_en.htm
  • van Dalen Luna, Pieter (2018). “Las antaras arqueológicas Chancay del complejo arqueológico de Lumbra. Huaral. Una aproximación al conocimiento de la musicología de la cultura Chancay”. in: Carlos Sánches Huaringa (Hg.): Música y sonidos en el mundo andino: flautas de pan, zampoñas, antaras, sikus y ayrachis. Lima: UNSM – Fondo Editorial, S. 249-280

 

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