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BOM! Februar 2021

Conopas oder illas wie dieses kleine Kamelid sind Teil von Ritualen der Hirten in den Anden, um die Fruchtbarkeit und das Wachstum ihrer Herden zu fördern. Diese komplexen Rituale sind Teil ihrer Strategien des Umweltmanagements zur Erhaltung des Lebens in der hohen Puna. Mit diesem BOM! kündigen wir eine zukünftige Ausstellung im BASA-Museum an, die von einer Gruppe von Doktorand:innen der Abteilung für Altamerikanistik, der die Autorin angehört, organisiert wird.

 

BASA_5495_jb.jpgConopa

Inv.-Nr. 5495
vermutlich) Inka
Stein
Peru, Herkunft unbekannt
Sammlung Volker Vinnai


Kameliden wie Lamas und Alpakas sind für die Gesellschaften der Anden als Quelle von Ressourcen unter den rauen Lebensbedingungen in den Höhenlagen von großer Bedeutung. Seit der vorspanischen Zeit bis heute führen die Hirten Riten mit kleinen, diese Tiere darstellenden Figuren durch, um die Wesen der Natur um Fruchtbarkeit und Wachstum ihrer Herden zu bitten.
In kolonialzeitlichen Dokumenten werden diese aus Stein gearbeiteten Figuren, hauptsächlich in Form von Kameliden und seltener in der von Lebensmitteln wie Mais und Kartoffeln, als conopas bezeichnet. Es wurden wunderschön geschnitzte conopas der Inka-Kultur gefunden, mit Löchern am Rücken, in die bei den Ritualen Alkohol, Kokablätter und Lama-Talg gegeben wurden. In den frühesten Quechua- und Aymara-Wörterbüchern erscheint der Begriff illa als Stein oder wertvolles Objekt, das Vorräte für das Haus bewahrt. Als illas bezeichnen heutige Hochlandhirten etwa in Cusco und Puno solche Miniaturen.
Illas sind wesentlicher Bestandteil komplexer, umfangreicher Zeremonien zur Vermehrung des Viehs und für das Wohlergehen der Familie. Sie werden väterlicherseits von Generation zu Generation als kostbare Objekte weitergegeben, die genauso gepflegt werden müssen wie die Herde selbst. Die Bedeutung der illas liegt nicht nur in dem, was sie repräsentieren, sondern auch in ihrer aktiven Rolle bei der Darbringung der Opfergaben. Sie sind Teil einer Reihe von Objekten, Gesten, Handlungen und sehr präzisen Anrufungen – alles notwendige Zutaten für die gute Durchführung des Rituals, das sich über Tage hinziehen kann. Die Hirten tanzen und singen für die Tiere, rufen die apus (heilige Berge) und Pachamama an, damit ihre Tiere wachsen und sich vermehren, und formulieren sehr spezifische Bitten um Anzahl, Geschlecht, und Art der Tiere und die gewünschte Qualität der Kamelidenwolle.
Diese Rituale belegen eine enge Beziehung und Interdependenz zwischen Mensch und Tier. Für die Hirten sind die Alpakas Lebewesen, die sie umsorgen müssen, um die Existenz der Kameliden, der Menschen und der Welt, die sie umgibt, zu sichern.

 

Foto: Daniel-Grana-Behrens

Text: Doris León Gabriel
Übersetzung aus dem Spanischen: Naomi Rattunde

 

Literatur

  • Sillar, Bill (2016). Miniatures and animism: the communicative role of Inka carved stone Conopa. Journal of Anthropological Research 72 (4): 442-464.
  • Flores Ochoa, Jorge (1974). Enqa, Enqaychu illa y Khuya Rumi: aspectos mágico-religiosos entre pastores. Journal de la Société des Américanistes 63: 245-262.

 

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Información acerca de este BOM! en pdf (español) 

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