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BOM! August 2021

Der Kero ist ein konisches Trinkefäß und gilt als die typischste Form von Trinkgefäß in der Kultur von Tiwanaku. Im Inneren solcher Gefäße wurden häufig Reste von chicha gefunden, ein Getränk, das durch die Gärung von Mais gewonnen wird.

BASA_3259.jpgKero

Inv.- Nr. 3259
Tiwanaku
Keramik
Bolivien
Sammlung H. Senff


Die Kultur von Tiwanaku entwickelte sich im südöstlichen Becken des Titicacasees im heutigen Bolivien. Während des Mittleren Horizonts (ca. 500 - 1100 n. Chr.) breitete sich ihr Einfluss über die südlichen Zentralanden, das südliche Peru, das nördliche Chile und das nordwestliche Argentinien aus (Villanueva 2020). Die künstlerischen Ausdrucksformen dieser Kultur finden sich in Architektur, Metallurgie, Skulptur, Textilien und Keramik wieder (Korpisaari & Chacama 2015). Darunter fallen auch die Keros, hochwandige Gefäße, die fast immer hyperboloid und aus Holz, Ton und Metall gefertigt sind. Manchmal haben die Keros einen oder zwei Ringe in der Mitte des Körpers oder in der Nähe des Randes und des Bodens (Uribe 2004).
Die Oberfläche wurde in der Regel mit roten, orangefarbenen, schwarzen und weißen Engoben bemalt. In den andinen Kulturen haben die Farben Bedeutungen, die mit den landwirtschaftlichen Zyklen zusammenhängen: Grau steht für Regenwolken, Wasser und Hagel. Gelb steht für Sonnenlicht (Villanueva 2020). Die Farben geben der reichen Ikonographie der Tiwanaku eine symbolische Form. Die zoomorphen Figuren von Vögeln (gelb) und Pumas (grau) erscheinen zusammen, getrennt, nebeneinander oder gemischt, so dass Pumas mit Flügeln, Schwänzen oder Vogelköpfen zu sehen möglich sind.
Ist die Ikonographie der Keros anthropomorph, kann sie auch mit Abbildungen des Pumas und Kondors durchsetzt sein. Dabei stellen Köpfe Trophäen dar, die, in einer skelettartigen aber ästhetischen Form abgebildet, an Gürteln hängen. Manchmal zieren solche Trophäen auch die Spitzen von Stäben, die von tanzenden Pumas mit Kondor-Maske gehalten werden (Kolata 1993).
Der keramische Kero aus der Sammlung des BASA-Museums (Inv. Nr. 3259) hat einen rotbraunen Überzug und ist orange und dunkelbraun bemalt. Seine morphologischen und ikonografischen Merkmale lassen vermuten, dass dieses Gefäß in Cochabamba (Bolivien) hergestellt wurde. Zwei naturalistische sich gegenüberstehende Pumaköpfe im Profil werden durch ein geometrisches Muster in gestaffelter oder gezackter Form miteinander verbunden (Uribe & Agüero 2001).

Foto: Bruna Pellegrini

Text: Jesús Alfredo Euan Xool / Carla Jaimes Betancourt

 


Literatur

  • Kolata, Alan (1993): The Tiwanaku. Portrait of an Andean Civilization. Cambridge: Blackwell.
  • Korpisaari, Antti & Juan Chacama (2015): El Horizonte Medio: Nuevos aportes para el sur de Perú, norte de Chile y Bolivia. Travaux de l'Institut Français d'Études Andines; Vol. 330. Instituto Francés de Estudios Andinos & Universidad de Tarapacá.
  • Uribe, Mauricio & Carolina Agüero (2001): ”Alfarería, textiles y la integración del Norte Grande de Chile a Tiwanaku, in: Boletín de Arqueología PUCP 5, 397-426.
  • Uribe, Mauricio (2004): ”Acerca de la cerámica Tiwanaku y una vasija del valle de Azapa (Arica, Norte Grande de Chile)”, in: Estudios Atacameños, P. (27), 77-101.
  • Villanueva Criales, Juan (2020): “Imágenes, Tiempo y Color. La Cerámica Tiwanaku de la isla de Pariti (Lago Titicaca Bolivia). Más allá de las representaciones”, in: Ana Cielo Quiñones Aguilar (Ed.): Mundos de creación de los pueblos indígenas de América Latina 10, 27-54.

 

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