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BOM! April 2021

Bei dieser Tanzmaske aus dem Hochland Ecuadors, aya uma genannt, handelt es sich um eine textile beidseitige Gesichtsmaske, die während christlicher Feierlichkeiten getragen wird. In ihrer ikonografischen Komplexität lassen sich andine Konzepte finden.

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aya uma | Tanzmaske

Inv.-Nr. 2968
Baumwollstoff, Filzfüllung
Ecuador, Provinz Pichincha, Chillos-Tal


 

Im Wintersemester 2019/20 haben wir uns im Rahmen einer Lehrveranstaltung zu Textilien im Andenraum insbesondere mit Produktionstechniken, der sprichwörtlichen Lebendigkeit und der Dreidimensionalität von Textilien beschäftigt (Arnold & Espejo 2013). Die Leitideen dieser Forschung habe ich auf die Analyse der Tanzmaske aus Ecuador übertragen.
Die Maske aya uma, auch pejorativ diablo uma genannt, wird von den tanzenden Personen in den Provinzen Pichincha und Imbabura zu den Festen von San Juan und San Pedro getragen (Schevill 1997: 108). Diese Tage markieren den Zeitraum zwischen dem 24. und 30. Juni und werden auch mit dem Erntefest in Verbindung gebracht (Mendizábal 1982: 346-347, 356-357). Vorder- und Rückseite der Maske sind ähnlich und weisen Züge eines Gesichts mit Augen- und Mundöffnungen sowie angenähten Nasen- und Ohrenteilen auf. Polychrome Stickereien verzieren die Maske auf beiden Seiten unter Verwendung verschiedener Stichverfahren (Stielstich, Hexenstich, Schlingenstich) (Heiden 1904).
Aya uma enthält Kenntnisse der Vorfahren, dient als Ausdruck ihrer Kraft (Cabay et al. 1991: 70) und impliziert einen vitalen männlichen Geist, dem vier Elemente der Natur inhärent sind (Cabrera & López 2018: 106). Aufgrund des Dualismus in der andinen Kosmologie kann sami uma als weiblicher harmonischer Geist komplementär zu aya uma sein (ebd.: 107-108). Unter diesem Aspekt des Dualismus kann die Stickerei auf der hier vorgestellten Maske als Darstellung von Mann und Frau interpretiert werden. Außerdem findet sich bei einer aya uma eine duale Vorstellung der Zeit durch zwei auf beiden Seiten dargestellte Gesichter in Form des Ausschnitts von Augen und Mund, die Zukunft und Vergangenheit als Gegenwart vereinen, was eine zeitlich-räumliche Einheit impliziert (ebd.: 112). Vier Stoffwülste, die Ohren und Nasen darstellen, bilden von oben betrachtet ein Kreuz (ebd.: 113). Dadurch impliziert die Maske eine Vierteilung der Welt entlang der vier Himmelsrichtungen (ebd.). Zusammenfassend ist anzumerken, dass die Maske facettenreiche Verkörperungen der andinen Kosmologie in den Bereichen der Ikonographie, Komposition und dahinterstehender Bedeutungen hervorbringt.

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Text und Fotos: Anastasia Muravyeva


Literatur

  • Arnold, Denise Y. & Elvira Espejo (2013): El textil tridimensional: La naturaleza del tejido como objeto y como sujeto. La Paz: ILCA.
  • Cabay, Irene et al. (1991): „Año por año“: Las fiestas de San Pedro en Ayora-Cayambe. Quito: Abya-Yala.
  • Cabrera Amaiquema, Jefferson & Layla López Navas (2018): „Aya Uma. Aportes desde las tradiciones orales a la imagen y el concepto“. Ñawi 2 (1): 103-118.
  • Mendizábal, Tannia (1982): „Informe etnográfico sobre la fiesta de San Juan en el área de Cotacachi - Imbabura“, in: Marco Vicincio Rueda (Hg.): La fiesta religiosa campesina: (Andes ecuatorianos). Quito: Ediciones de la Universidad Católica, 346-358.
  • Schevill, Margot Blum (1997): „Catalogue Raisonné“, in: Lynn A. Meisch (Hg.): Traditional Textiles of the Andes: Life and Cloth in the Highlands. London: Thames and Hudson, 58-141.

 

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