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BOM! Dezember 2020

Das BOM! im Dezember ist ein kleines Tongefäß der Maya aus der Zeit der Klassik (300-900 n. Chr.), welches zur Aufbewahrung von Pulver gedient haben könnte. Oftmals als „Flakon“ oder „Giftfläschchen“ bezeichnet, befindet sich auf dem Gefäß eine Abbildung nebst einer Inschrift.

 

 BASA_Schä14_Vorderseite_jb.jpg„Fläschchen“

Inv.-Nr. Schä14
Ton
Cara Sucia, El Salvador
ca. 7.-8. Jahrhundert


Das ausgestellte Objekt ist 7,5 cm hoch und zeigt einen Mann mit Halskette und Lendenschurz sowie einem Kopfputz – Indizien für eine hochrangige Person. Die Inschrift benennt eine Person wiederholt mit identischer Bezeichnung (chehak); ein Beiname, der auch auf einem ähnlichen Objekt aus einem Grab vom Tazumal-Komplex in Chalchuapa, El Salvador, vorkommt (Card & Zender 2016: 283).
Kleine „Fläschchen“ aus Ton werden oft als „Flakon“ oder „Giftfläschchen“ bezeichnet, obwohl ihre Funktion in der Maya-Kultur der Klassik (300-900 n. Chr.)
keineswegs geklärt ist. Die Gleichsetzung mit europäischen Giftampullen ist spekulativ. Nur wenige Dutzend miniaturisierte Behältnisse dieser Art sind aus der Region zwischen Guatemala, Honduras und El Salvador, dem südlichsten Teil Mesoamerikas, bekannt. Sie werden der Periode der Spätklassik (700-900 n. Chr.) zugeschrieben. Etliche Objekte dieser Art sind jedoch unbekannter Herkunft. Sie dürften jedoch alle aus archäologischen Grabkontexten stammen (Card & Zender 2016).

BASA_Schä14_Rückseite_jb.jpg

Manche der „Fläschchen“ sind bauchig, andere eckig. Unter letzteren gibt es höhere (wie das hiesige Objekt) und breitere (die eher der Form eines modernen Tintenfläschchens gleichen). Wenige zeigen eine aufgemalte Abbildung nebst Inschrift. Bei den meisten wurden Abbildung und Inschrift hingegen mit Hilfe eines Schabers herausgearbeitet oder mittels eines Tonmodels eingedrückt. Viele besitzen eine kleine Öffnung mit Rand oder Ausguss. Einige wenige Objekte mit aufgemalter Inschrift verweisen auf den Gebrauch als „Tabakpulver-Haus“ (Stuart 2005: 154, Fußnote 45; Houston et al. 2006: 114). Die Bezeichnung „Haus“ ist keineswegs metaphorisch, sondern verdeutlicht, dass selbst kleinste Objekte als Behausung für etwas gesehen wurden. Tabak selbst war ein den Maya-Gottheiten vorbehaltenes Genussmittel. Die „Fläschchen“ mit eingedrückter Inschrift verraten hingegen kaum etwas über ihren Gebrauch. Lediglich der Grabkontext und die bei manchen Objekten vorhandene rote Bemalung aus Zinnober in den Vertiefungen lassen eine „Behausung“ für Zinnober vermuten (vgl. Card & Zender 2016: 281). Denn die Maya der Klassik verstreuten Zinnober (neben Hämatit) über die zu bestattenden hochrangigen Personen und über Bauelemente von Grabanlagen.

 

Ein 3D-Scan des Objekts wurde im Rahmen des Projekts „Textdatenbank und Wörterbuch des Klassischen Maya“ an der Abteilung für Altamerikanistik angefertigt.

Text und Fotos: Daniel Grana-Behrens

 

Literatur

  • Card, Jeb J. & Marc Zender (2016). „A Seventh-Century Inscribed Miniature Flask from Copan found at Tazumal, El Salvador“. Ancient Mesoamerica 27: 279-292.
  • Houston, Stephen, David Stuart & Karl Taube (2006). The Memory of Bones. Body, Being, and Experience among the Classic Maya. Austin: University of Texas.
  • Stuart, David (2005). The Inscriptions from Temple XIX at Palenque. A Commentary. San Francisco: The Pre-Columbian Art Research Institute.

 

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