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BOM! März 2020

Das BOM! im März ist eine bunte Kleider, Perlenschmuck und Hut tragende Stoffpuppe, die seit November 2019 die Nordamerika-Sammlung des BASA-Museums ergänzt. Sie wurde von Angehörigen der Seminolen in Florida zum Verkauf an Touristen gefertigt.

PuppeBASA 5543


Inv.-Nr. 5543
Stoff, Fasern, Perlen
Florida, USA
Schenkung

 

 

Die 12,5 cm hohe Puppe zeichnet sich durch ihre farbenfrohe Kleidung im Patchwork-Design und den bunten Perlenschmuck aus, die an das seit dem frühen 20. Jahrhundert typische Gewand von Frauen der Seminolen in Florida erinnern sollen. Charakteristisch sind der üppige, bis über die Füße reichende Rock und das langärmlige Oberteil mit weitem Kragen, welches locker an der Taille sitzt und knapp über dem Bund des Rockes endet. Auf beide Kleidungsstücke sind jeweils zwei wellenförmige Streifen in anderen Farben aufgenäht. Die Kette, die sich aus vielen bunten Perlen zusammensetzt, ist ein weiteres wichtiges Detail.

Die Kleidung im Patchwork-Stil wurde spätestens in den 1920er Jahren zu einem wichtigen Bestandteil der Kultur der Seminolen und hat ihre Bedeutung teilweise bis heute bewahrt. Neben dem alltäglichen Gebrauch wurde sie zu zeremoniellen Anlässen durch einen Umhang, silberne Armreifen und Broschen sowie Gamaschen ergänzt, an denen Schildkrötenpanzer befestigt waren. Bunte Perlen sind ein weiteres religiös, kulturell und auch ökonomisch bedeutsames Element der Seminolen-Kultur. Mit Beginn ihres zwölften Lebensjahres trugen Frauen Perlenketten, wobei pro Lebensjahr je eine Kette ergänzt wurde. Im Laufe ihres Lebens trugen manche Frauen bis zu 30 Pfund Perlen am Hals. Nach der Lebensmitte wurden die Halsketten Strang für Strang wieder entfernt, bis nur noch die erste übrigblieb. Die letzte Kette wurde den Frauen nach dem Tod mit ins Grab gelegt.

Die kommerzielle Produktion und der Verkauf von Patchwork-Kleidung und Puppen dieser Art an Touristen stellte viele Jahrzehnte lang eine Einkommensquelle für Angehörige des Seminole Tribe of Florida dar, der seit 2007 Eigentümer der Hard Rock Cafe Inc. ist. Auch die ausgestellte Puppe wurde in den 1960er Jahren in einer Reservation in Florida erworben.

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  Familie der Seminolen-Gemeinschaft, 1949
  Foto: Joseph Janney Steinmetz (Wiki Commons)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Literatur

  • Cotherman, Steve (2007). „The Crandall Collection of American Indian Dolls“. The Wisconsin Magazine of History 90 (4): 22-27.
  • Skinner, Alanson (1913). „Notes on the Florida Seminole“. American Anthropologist New Series 15 (1): 63-77.
  • Seminole Tribe of Florida: https://www.semtribe.com

Text: Darja Hermann

Informationen zu diesem BOM! als pdf

 

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