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BOM! Februar 2020

Das BOM! im Februar ist ein torito de Pucará aus dem Süden Perus, der durch Hermann Trimborn 1956 in die Sammlung des Museums gelangt ist. Kleine Stiere (toritos) dieser Art gehören zu den weitverbreiteten Keramikobjekten der Pucará-Region. Sie sind Bestandteil von lokalen Alltagspraktiken und haben sich zu einem beliebten Touristensouvenir entwickelt.

Torito de Pucará

BOM! Februar 2020


Inv.-Nr. 1139
Keramik
Pucará
Südperu
Sammlung Trimborn

 

 

Das Gebiet um Pucará in der Puno-Region, aus der dieser Stier aus Ton stammt, ist bekannt für die Herstellung diverser Keramikobjekte und blickt auf eine lange Geschichte bis ca. 500 v. Chr. zurück. Neben dem Einflussgebiet der Tiwanaku-Kultur, die während ihrer Blütezeit um 100 n. Chr. handwerklich geschickt verarbeitete Keramiken hervorbrachte, gilt auch Pucará als bedeutsamer Ort für die Fertigung kunstvoller Keramikobjekte. Zeugen dieser Entwicklung sind zahlreiche Keramiken, die durch Handel im gesamten Westen Südamerikas bis in die Region von Cusco gelangt sind. Die ersten toritos sollen allerdings in der Stadt Santiago de Pupujo in Puno entstanden sein. Heutzutage bestreitet ein Drittel der etwa 750 Einwohner*innen von Pucará, hauptsächlich Frauen, den Lebensunterhalt durch das Keramikhandwerk. Auf internationalen Kunstmärkten werden die toritos von Kunstliebhaber*innen erworben, aber auch eine wachsende Anzahl von Tourist*innen erfreut sich an ihnen. Die günstige Lage von Pucará an der beliebten Reiseroute zwischen Puno und Juliaca begünstigt ihre Verbreitung als Souvenirs.

Die Vorgänger der modernen toritos waren sogenannte canopas/qonopas in Form von Lamas oder Alpakas, die als Ritualobjekte für eine gute Ernte in den Acker eingegraben wurden (Strong 2012: 255). Mit Einführung der Rinder durch die Spanier veränderten sich Form und Funktion der canopas. Legenden besagen, dass sich die Aymara-Gottheit Amaru von einer Schlangengestalt in einen Stier verwandelt haben soll. Heutzutage wird den toritos in der Region auch eine Schutzfunktion zugewiesen, sie sind paarweise auf den Dächern der Häuser neben anderen religiösen Symbolen wie christlichen Kreuzen und Darstellungen von Sonne und Mond zu finden. Den Bewohner*innen sollen sie bei Einzug Fruchtbarkeit und Glück bringen. Darüber hinaus werden den toritos aufgrund der Farben ihrer Bemalung bestimmte Eigenschaften zugewiesen: ein blauer Bulle steht für Gelassenheit und Harmonie, ein roter Bulle dagegen für Liebe und Leidenschaft.

Trotz der Vielfalt an Form, Farbe und Größe teilen die toritos bestimmte Merkmale in ihrer Darstellung: die Öffnung am Rücken, der Packsattel, der Henkel im Nacken des Bullen, die drei Querrippen am Hals, die oftmals spiralförmige Verzierung an den Schulterblättern, die runden hervorstehenden Augen, die sichtbare Zunge und die Schlaufen für Ketten an der Brust. 

 

Literatur

  • Arguedas, Jose Maria (1964): „Toro de Pucara”, In: Arguedas, Jose Maria (Hrsg.): Cultura y pueblo. Lima: Departamento de Ediciones de la CcUd de la Cultura del Perú.
  • Klarich, Elizabeth/Luis Flores Blanco (2010): „Continuidad e innovación de la cerámica Pucará: 3000 años de producción alfarera en la cuenca norte del Titicaca”, in: Ruiz Durand, Jesús (Hrsg.): Toro, torito de Pucará. Lima: Mincetur, S. 23-31.
  • Mamani Coaquira, Jhereny Patricia (2018): Análisis de comercializión y exportatión de artisanías de cerámica del distrito de Pucará. Puno: Universidad Nacional del Altiplano.
  • Strong, Mary (2012): Art, Nature, and Religion in the Central Andes. Themes and Variations from Prehistory to Present. Austin: University of Texas Press.

Text: Lea Delißen

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