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BOM! Mai 2019

Die Venus de Tacarigua sind göttliche Repräsentationen für Sexualität und Fruchtbarkeit der zwischen 800 und 1535 n. Chr. um den Lago de Valencia ansässigen Valencioide-Kultur im heutigen Venezuela. Die Figur ist Teil der Sammlung Rotraud Vusten, einem der jüngsten Neuzugänge der BASA. Sowohl zwischen den Objekten dieser Sammlung, die größtenteils aus Peru stammen, als auch im Bestand der BASA insgesamt sticht sie hervor, da nur wenige Objekte venezolanischen Ursprungs sind.

BOM2019-05_basa-RV19Venus de Tacarigua

Inv.-Nr. RV 19
Valencioide-Kultur
Venezuela
Keramik
Sammlung Rotraud Vusten

 

Dem venezolanischen Archäologen Rafael Gassón zufolge bildet die Venus de Tacarigua aufgrund ihrer zahlreichen Keramikreproduktionen, ihrer weiten Verbreitung und der Varietät ihrer Darstellungen die wichtigste Objektgruppe der venezolanischen Archäologie. In der Regel sind die anthropomorphen Figurinen zwischen sieben und 18 Zentimetern hoch, unbekleidet und haben knollige Beine. Besonders hervorgehoben sind die Füße, das Gesäß und der Genitalbereich. Die Arme und Hände befinden sich entweder auf dem Bauch oder halten den breiten, überdimensionierten ovalen oder rechteckigen Kopf. Bestimmte Partien des Körpers oder des Gesichts sind darüber hinaus mit Ritzverzierungen versehen. Generell weisen die betonten Körperproportionen auf die repräsentative Bedeutung für Sexualität und Fruchtbarkeit hin.

BOM2019-05_venus-statueDie Figurinen sollen über einen Zeitraum von ca. 1500 Jahren entstanden sein, zwischen 1000 n. Chr. und 1535 n. Chr. Sie wurden an vielen früheren Siedlungs- und Ritualstätten der Valencioide-Kultur, auch bekannt als cultura Tacarigua, eingegraben in die Erde gefunden. Die wichtigsten Fundorte liegen um den Lago de Valencia, aber auch auf dem Inselarchipel Los Roques. Zwanzig Prozent aller bisherigen Figurinen wurden dort auf der Insel Dos Mosquises gefunden, etwa 135 Kilometer vom Lago de Valencia und 100 Kilometer von der venezolanischen Küste gelegen. Die Rituale, die dort durchgeführt wurden, seien Opferrituale der Männer gewesen, da sie die weite Reise über das Meer unbeschadet überstanden hätten und nun ihren Tätigkeiten auf den Inseln nachgehen konnten. Die Figurinen der Venus sollen dabei die abwesenden Frauen ihrer Gemeinschaften repräsentiert haben.

 

Literatur

  • Cruxent, José María und Irving Rouse (1961). Arqueología cronológica de Venezuela. Unión Panamericana: Washington D.C.
  • Delgado Rodriguez, Lelia (1989): Seis ensayos sobre estética prehispánica en Venezuela. Academia Nacional de Historia: Caracas.
  • Delgado Rodriguez, Lelia (o.J.): Damas de Tacarigua. Figuras valencioides. URL: https://pueblosoriginarios.com/sur/caribe/venus/tacarigua.html [16.04.2019].
  • Escalona Villalango, Carlos (2010): „¿Fértiles andinas y venus valencianas? Documentos en cerámica: Figuraciones antropomorfas del género y el poder en la Venezuela prehispánica“. Revista venezolana de estudios de la mujer 34: 105-118.
  • Gassón, Rafael (2001): „Los temperamentos mágicos de la arqueología venezolana“. Revista Bigott 59: 2-19.

Text: Simon Hirzel

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