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BOM! Dezember 2019

Das BOM! im Dezember ist ein zylindrischer Keramikbecher aus der Maya-Spätklassik (ca. 600 – 900 n. Chr.), der dem BASA-Museum im Juli 2012 von Eduard Wagner im Rahmen einer Schenkung vermacht wurde. Im Rahmen des Forschungsprojekts „Textdatenbank und Wörterbuch des Klassischen Maya“ der Abteilung für Altamerikanistik ist er bereits einmal bearbeitet und publiziert worden (Prager et al. 2015).

BOM2019-12_basa-4674.pngKeramikbecher

Inv.-Nr. 4674
Keramik
Maya-Kultur
Fundort unbekannt
Sammlung Wagner

 

Die Außenseite des Bechers zeigt eine ikonographische Szene zweier größtenteils schwarzer Affen mit hellen Gesichtern und orange-roten, vor der Brust zusammengeknoteten Überwürfen und Lendenschurzen sowie mit langen schwarzen Schwänzen, die sich anhand ihrer Gesichter als Klammeraffen (Ateles geoffroyi) identifizieren lassen. Einer der beiden Affen hält eine Kakaoschote in der erhobenen rechten und wohl auch in der gesenkten linken Hand, während der andere beide Arme in Richtung des ersten Affen austreckt, wohl in dem Versuch, selbst eine der Kakaoschoten zu erlangen. Diese Darstellung der beiden Affen spielt wahrscheinlich auf das auch auf anderen Maya-Keramiken dargestellte übliche Verhalten der Klammeraffen an, Kakaoschoten aus den Pflanzungen der Maya zu stehlen und zu verspeisen (Prager et al. 2015: 3).

Oberhalb der ikonographischen Szene befindet sich, eingerahmt von zwei schmalen schwarzen Bändern, eine Reihe von Pseudoglyphen in zumeist zweiteiligen, jedoch leeren Hieroglyphen-blöcken. Auf zahlreichen anderen Maya-Keramiken steht an dieser Stelle eine in diesem Fall wohl durch die Pseudoglyphen imitierte Weiheformel, die zumeist Kakao als den für den entsprechenden Becher bestimmten Inhalt benennt, und Rückstände von Kakao sind auch tatsächlich in einigen solcher Gefäße gefunden worden (Grube und Gaida 2006: 60). Daher und aufgrund der Darstellung von Kakaoschoten in der Ikonographie des Bechers ist es wahrscheinlich, dass auch dieser Becher für das Trinken von Kakao bestimmt war.

Polychrome Becher wurden in der klassischen Maya-Kultur vielfach als sogenannte „soziale Währung“ verwendet. Dabei betrieben die Herrscher mit hochwertigen Keramiken aus ihren Werkstätten und anderen Prestigegütern Politik, indem sie diese an andere Herrscher, Provinzfürsten oder Adlige verschenkten und so die Beziehungen zu diesen verbesserten und die Loyalität dieser gleichzeitig stärkten und belohnten (Grube und Gaida 2006). Calvin (2006: 203) hat vorgeschlagen, dass Becher mit Pseudoglyphen in vielen Fällen von Provinzfürsten oder Adligen als Erwiderung an Herrscher verschenkt worden sein könnten. Ob dies auch bei dem hier beschriebenen Becher der Fall gewesen ist, lässt sich ohne Kenntnis des archäologischen Kontexts jedoch leider nicht bestimmen.

 

Literatur

  • Calvin, Inga (2006). Between Text and Image: An Analysis of Pseudo-Glyphs on Late Classic Maya Pottery from Guatemala. Ph.D. Thesis, Department of Anthropology, University of Colorado.
  • Grube, Nikolai / Maria Gaida (2006). Die Maya: Schrift und Kunst. Berlin: SMB-DuMont.
  • Prager, Christian / Sven Gronemeyer / Elisabeth Wagner (2015). „A Ceramic Vessel of Unknown Provenance in Bonn”, in: TWKM Research Note 1, S. 1-6. [Onlineressource]

Text: Thilo Momme Holtmann

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