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BOM! November 2018

Das BOM! im November 2019 ist ein Keramikgefäß, das von Jürgen Riester während einer Feldforschung bei den Guaraŝug’wä (Sg.: Guaraŝu) im ostbolivianischen Tiefland erworben wurde. Es ist Teil der Sammlung Riester, die im Schaudepot des BASA-Museums ausgestellt ist, das im Rahmen eines Museumspraktikums im Sommersemester 2019 neu gestaltet wurde.

BOM2019-11_basa-2485Kugelförmiger Topf

Inv.-Nr. 2485
Keramik
Guaraŝug’wä
Bolivien, östliches Tiefland
Sammlung Jürgen Riester

 

Der gräulich-beige Kugeltopf mit einem Durchmesser von 14,5 cm und einer Höhe von 12 cm besitzt einen relativ gleichmäßig gewölbten, kugeligen Bauch ohne Henkel und einen ausladenden Rand mit einer breiten Öffnung. Deutlich erkennbar sind einige durch das Brennen entstandene grau-schwarze Brandflecken. Die Oberfläche ist geglättet und mit einer Art Glasur überzogen. Das Gefäß weist auf Schulter und Bauch umlaufend sowie halbkreisförmig mehrere Bänder, bestehend aus eingedrückten Rauten, Punkten und eingeritzten Linien, auf.

Jürgen Riester bereiste zwischen August 1963 und Dezember 1965 das bolivianische Tiefland, zunächst für ethnographische Forschungen im Gebiet der Chiquitano. Zwischenzeitlich reiste er für mehrere Monate zu den Guaraŝug’wä im Gebiet Campo Grande im Departement Santa Cruz de la Sierra, von denen zu dem Zeitpunkt nur noch eine Siedlung existierte. Aus seinen Feldforschungen heraus sind u.a. Beschreibungen der materiellen Kultur, darunter auch Tonwaren, entstanden. So wissen wir, dass die Arbeiten für die Produktion von Keramikwaren ausschließlich von Frauen ausgeführt werden. Nach dem Abbau des Tons, Transport ins Dorf und der Lagerung folgt die Magerung mit einer Mischung aus zermahlenen Tonscherben, Muschelschalen und Rinde. Anschließend wird die Tonmasse in kleine ausgehobene Erdlöcher gedrückt und mit den Händen zu Gefäßen geformt, wobei bei größeren Waren Tonwülste aufeinandergesetzt und geglättet werden. Danach erfolgt die Verzierung z.B. durch Einritzungen mit einem Federkiel oder einer Muschel. Wichtig für die Wasserundurchlässigkeit ist das Abreiben des Gefäßes mit einer Cusi- oder Chontapalmfrucht. Für das Brennen nach einigen Wochen Lagerung wird ein offenes Feuer entfacht, wobei das Brennmaterial um die Tonware geschichtet wird. Nach dem Brennen werden viele Gefäße mit einer Art Glasur aus der Rinde des Karipe-Baumes überzogen. Der ausgestellte Topf gelangte von Bolivien über Jürgen Riester als Schenkung in das BASA-Museum.

Riester, der im September diesen Jahres im Alter von 78 Jahren in Santa Cruz verstorben ist, unternahm nach seinem Studium u.a. der Völkerkunde in Bonn und der genannten Reise weitere Feldforschungen in das bolivianische Tiefland, lehrte von 1973 bis 1980 an der Pontificia Universidad Católica del Perú und gründete 1980 die Organisation APCOB (Apoyo para el Campesino-Indígena del Oriente Boliviano) zur Unterstützung indigener Gruppen in Ostbolivien.    

 

 

Literatur

  • Riester, Jürgen (1972). Die Pauserna-Guarasug’wä: Monographie eines Tupí-Guaraní-Volkes in Ostbolivien. St. Augustin: Collectanea Instituti Anthropos.
  • Riester, Jürgen (1977). Los Guarasug’we: Crónica de sus últimos días. La Paz: Los Amigos del Libro.

Text: Jeannine Langmann

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