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BOM! Oktober 2019

Das BOM! im Oktober ist ein sogenannter Tumi, ein Ritualmesser, welches im Andenraum zur Trepanation, d.h. für eine operative Schädelöffnung genutzt wurde. Dieses Vorgehen ist Thema der Ausstellung The Art of Trepanning. Fernando Coco Bedoya und die Kunst der Trepa-Nation, welche vom 14. Oktober 2019 bis zum 16. Februar 2020 im BASA-Museum zu sehen sein wird.

Tumi (Ritualmesser)BASA_GB354

Inv.-Nr. GB354
Metall
Moche-Kultur
Peru, Nordküste
Sammlung Grevenbroich

 

Der Tumi hat eine Länge von 6,1 cm und eine Breite von 5,5 cm. Der Schaft ist rechteckig und die Schneide ist halbmondförmig gearbeitet. Das Metall ist sehr flach gefertigt und weist starke Korrosion auf. Das Exemplar wird der Moche-Kultur an der Nordküste Perus (~100-800 n. Chr.) zugeordnet.

Tumis sind Teil des archäologischen Befunds zahlreicher Kulturen des Andenraums. Im BASA-Museum gibt es Beispiele der Sicán/Lambayeque-Kultur (~700-1350 n. Chr.), der Moche-Kultur (~0-800 n. Chr.) und der Inka-Kultur (~1200-1532 n. Chr.). In Abbildungen auf Moche-Keramiken werden mit diesen Zeremonialmessern Gefangenen Wunden zugefügt, um Blut abzunehmen, um es zu opfern, oder sie werden enthauptet. Die Messer dienten jedoch wohl auch der Trepanation, die im Andenraum schon ab 200 v. Chr. bis 600 n. Chr. in großem Ausmaß nachgewiesen worden ist. Dieser operative Eingriff besteht in einer kontrollierten Öffnung der Schädeldecke, zumeist, um etwa nach einem Schlag auf den Kopf Druck abzubauen. Archäologische Funde von Schädeln zeigen, dass behandelte Personen diesen Eingriff häufig überlebten.

Die bekanntesten Tumis sind der Chimú-Kultur zugeordnet und haben am Schacht eine detailliert ausgearbeitete anthropomorphe Gestalt, welche meist zusätzlich mit Halbedelsteinen oder Muschelfragmenten verziert ist. Es gibt jedoch auch zahlreiche Beispiele von nicht verzierten sowie mit kleineren Applikationen versehenen Tumis. Hierzu zählt etwa der ebenfalls im BASA-Museum aufbewahrte Inka-Tumi (~1200-1532 n. Chr.), auf den ein liegendes Tier appliziert ist (Inv.-Nr. 2934).

Literatur

  • Bonner Altamerika-Sammlung (2006). Tod und Macht. Religiöse Vorstellungen in Altamerika.
  • Donnan, Christopher B. (1979). Moche Art of Peru. Pre-Columbian Symbolic Communication. Los Angeles: Museum of Cultural History, University of California.
  • Sammlung Köhler-Osbahr (2012). Sammlung Köhler-Osbahr. Bonner Altamerika-Sammlung (BASA). Duisburg. Absätze 60. 61. 62. 63. 68.

Text: Claire Conrad

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