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BOM! September 2019

Der sechsseitige Spielwürfel aus Rinderknochen ist Bestandteil des so genannten „huairu“-Spiels und wurde 1980 von Udo Oberem in Sigsig im Osten Ecuadors erworben. Als Teil der Sammlung Oberem ist er eines der Objekte aus dem Bestand des BASA-Museums, die ab dem 13. November in der Ausstellung „Objektwelten als KOSMOS. Von Alexander von Humboldt zum Netzwerk Bonner Wissenschaftssammlungen“ im Zoologischen Forschungsmuseum Koenig, Bonn zu sehen sein werden.

BOM2019-05_basa-RV19Spielwürfel

Inv.-Nr. 3509
Rinderknochen
Sigsig, Ecuador
Sammlung Udo Oberem

 

Der annähernd kegelförmige Würfel, der aus dem  Mittelfußknochen eines Rindes gefertigt wurde, verfügt über sechs Seiten: Fünf sind mit eingeritzten Augen von 1 bis 5 markiert, die sechste Seite mit einer kurzen Linie. Der Würfel wurde durch Udo Oberem im Jahr 1980 während einer Feldforschung im südlichen Hochland Ecuadors erworben und ist Teil eines Ensembles von Objekten, die als Spielutensilien des dort „huairu“ genannten Würfelspiels dienten. Dieses Spiel wird in zahlreichen Regionen Südamerikas unter unterschiedlichem Namen, in verschiedenen Varianten und zu verschiedenen Anlässen gespielt. In Ecuador wird es sowohl als Glücksspiel als auch anlässlich des katholischen Feiertages Allerseelen sowie während der fünftägigen Totenwachen praktiziert, mit denen der Abschied von Verstorbenen begangen wird. Im letztgenannten Fall dient es auch der Verteilung des Besitzes verstorbener Gemeinschaftsmitglieder (Cipolletti 1983, Hartmann & Oberem 1968, Ordóñez Carpi 2004).

Als weitere Bestandteile des Spiels befinden sich im Bestand des BASA-Museums ein zweiter sehr ähnlicher Würfel, ein aus einem  getrockneten Agavenblatt geschnitztes Spielbrett, zwei schwarze Baumwolltücher sowie eine Reihe von handgemalten Bildern, die Elemente der christlichen Vorstellung des Jüngsten Gerichts abbilden und allein zu Allerseelen Verwendung finden. Diese Objekte wurden bereits Mitte der 1960er Jahre durch Oberem für die Sammlung erworben.

Die Ausstellung "Objektwelten als KOSMOS. Von Alexander von Humboldt zum Netzwerk Bonner Wissenschaftssammlungen“, die am 13. November im Zoologischen Forschungsmuseum Koenig eröffnet werden wird, stellt den Abschluss des Verbundforschungsprojekts „Die Sammlungen – ein Kosmos“ (2016-2019) dar.

 

Literatur

  • Cipolletti, María Susana (1983). Jenseitsvorstellungen bei den Indianern Südamerikas. Berlin: Reimer.
  • Hartmann, Roswith und Udo Oberem (1968). „Beiträge zum ‚Huairu-Spiel‘“. Zeitschrift für Ethnologie 93 (1/2): 240-259.
  • Ordóñez Carpio, Santiago (2004). El juego del huayru o pishca. Una aproximación a la reestructuración del cambio y la muerte en los Andes. Tesis para optar el Título de Magister en Ciencias Sociales con mención en: Antropología e Historia. CBC Colegio Andino.

Text: Jana Brass

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