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BOM! August 2019

Das Gefäß mit applizierten Schneckengehäusen kam 2013 im Rahmen einer Schenkung in das BASA-Museum. In einem Praktikum wurde es genau unter die Lupe genommen. Die dabei beobachteten Merkmale und ihre Kontextualisierung mit Vergleichsobjekten gestatten es, das Gefäß genauer einzuordnen.

BOM2019-05_basa-RV19Gefäß mit Schneckengehäuse-Applikationen

Inv.-Nr. Hn 23
vermutl. Chimú-Inca
Peru, Nordküste
Ton
Sammlung Teddy Hahn

 

Das flaschenförmige Tongefäß mit langem zylindrischen Hals auf dem eiförmigen Körper und einem Henkel zeichnet sich durch die sechs rund um das Gefäß applizierten Schneckengehäuse aus. Zum Kontext des Gefäßes, d.h. über Herkunft, Funktion und Bedeutung, liegen keine Informationen vor. Doch lässt sich durch den Vergleich mit ähnlichen Objekten darauf schließen, dass es sich um ein Gefäß von der Nordküste Perus handelt, das vermutlich, aufgrund der abgeschrägten Randes an der Halsöffnung und der kantigen Ränder des seitlichen Bandhenkels, der Chimú-Inca-Zeit zuzurechnen ist. Die applizierten Schneckengehäuse machen weitere Interpretationen möglich.

Umzeichnung eines Moche-Gefäßes (aus Golte 1985: 365)Das Motiv der Schnecke verweist auf den räumlichen Kontext sowie auf soziale Aspekte der Gesellschaft, die diese archäologische Kultur repräsentiert. An der Küste Perus sind neben Fischen und Reptilien die sogenannten Erdschnecken (Scutalus, spanisch moluscos terrestres) Bestandteil der lokalen Fauna. Die Ikonographie der Moche-Kultur (ca. 0-800 n. Chr.), die der der Chimú (ca. 850-1470 n. Chr.) vorausging, lassen auf das Lebensumfeld der Menschen schließen. In der hügeligen Landschaft der Lomas, Wüsten, die während der feuchten Wintermonate grün werden, leben neben den Erdschnecken auch Schlangen, Füchse, Wild und Raubkatzen. Die Schnecken waren sowohl für die Ernährung der Menschen als auch für rituelle Kontexte bedeutsam (vgl. Golte 1985, Bourget 1990). Ihre Präsenz an diesem Gefäß verweist auf eine kontinuierliche Bedeutung der Erdschnecke an der Nordküste Perus.

Für die meisten der archäologischen Objekte, die wie dieses aus der Sammlung „Teddy Hahn“ durch Schenkungen in jüngerer Zeit in den Bestand des BASA-Museums aufgenommen wurden, liegen kaum Informationen vor. Umfangreiches Wissen über die archäologischen Kulturen sowie die Kenntnis von Vergleichsobjekten können diese Objekte dennoch zum „Sprechen“ bringen.

 

Literatur

  • Bourget, Steve (1990). „Caracoles Sagrados en la Iconografía Moche“. Gaceta Arqueológica Andina 5: 45-56.
  • Castillo, Feren (2018). „Tipología y seriación de la cerámica proveniente del cementerio chimú de huaca de la luna, Perú“. Boletín del Museo Chileno de Arte Precolombino 23(2): 27-58.
  • Donnan, C. 1997. „A Chimu-Inka ceramic-manufacturing center from the north coast of Peru“. Latin American Antiquity 8 (1): 30-54.
  • Golte, Jürgen (1985): „Los recoletos de caracoles en la cultura Moche (Perú)“. Indiana 10: 355-369.

Text: Claudia Braun Carrasco

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