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BOM! Juli 2019

Das BOM! im Juli ist ein mañanónie, ein aus mehreren Wülsten bestehender Federschmuck der Ayoréode. Mit ihm blicken wir auf die vor einem Jahr eröffnete Ausstellung „eramone | Weltsichten“ zurück. Um die Sammlungen von Objekten der Ayoréode im BASA-Museum auch in Bolivien und Paraguay, wo die Ayoréode leben, bekannter zu machen, ist vor kurzem der zweisprachige Ausstellungskatalog „Eramone. Visiones del mundo | Weltsichten“ erschienen.

BOM2019-07_basa-UL106mañanónie | Ensemble von Federwülsten

Inv.-Nr. UL 106
Ayoréode
Daunenfedern und Einzelfedern vom Ara, Garabatá
Paraguay, El Faro Moro
Sammlung Ulf Lind

 

Das Ensemble von mañanónie umfasst vier dicke Wülste aus grünen Federn und einen dünnen Strang aus gelben Federn, die auf eine Kordel aus Garabatá aufgereiht sind. Auch im Inneren des mañanó verläuft eine Kordel, die von dem Federgeflecht verdeckt wird. Um die Kordel wird spiralförmig eine Garabatá-Schnur gewickelt, an der kleine Federn nebeneinander aufgereiht befestigt werden, indem ihre Kiele um die Schnur geknickt und mit einem weiteren Faden umschlungen werden. Mañanónie werden nur von Männern bei der Jagd und bei Festen und Ritualen getragen und an der Fellhaube ayoi oder dem Federkragen cóbia befestigt, sodass sie auf dem Rücken liegen.

Das bedeutendste Fest der Ayoréode findet statt, wenn asojna, eine kleine Nachtschwalbe (Caprimulgus parvulus), die in der „Vorzeit“ ein sehr mächtiges Wesen war, zum ersten Mal singt. Ihr Ruf kündigt den ersten Regen an, mit dem die oft entbehrungsreiche Trockenzeit zu Ende geht. Federn und Vögel insgesamt haben für die Ayoréode große symbolische Bedeutung, die sich aus den Ereignissen in der Zeit der jnani‘bajade (Vorfahren) ergeben, die keine ontologische Unterscheidung zwischen „Natur“ und „Kultur“ kannte. Einige dieser Wesen haben sich in Tiere, Pflanzen, abstrakte Phänomene und Gegenstände verwandelt und damit die Welt mit ihrer heutigen Ordnung und ihren Institutionen geschaffen.

2019 eramone BuchcoverDie komplexe Weltsicht der Ayoréode wurde in der 2018 im BASA-Museum gezeigten Ausstellung „eramone | Weltsichten“ anhand der materiellen Kultur nachvollzogen. Anlass für die Ausstellung war die Schenkung von rund 160 Objekten der Ayoréode durch Ulf Lind, der sie 1969/70 im Rahmen seiner Feldforschung in El Faro Moro in Paraguay erwarb. Ausgestellt wurden auch Objekte, die 2018 während der Exkursion der Abteilung für Altamerikanistik bei in Bolivien lebenden Ayoréode erworben wurden. Im Mai erschien der zweisprachige Katalog bei dem bolivianischen Verlag Plural editores

Literatur

  • Fischermann, Bernd (1988). Zur Weltsicht der Ayoréode Ostboliviens. Dissertation. Universität Bonn.
  • Jaimes Betancourt, Carla (2015). El poder de las plumas. Colección de Arte Plumario del Museo Nacional de Etnografía y Folklore, según la cadena de producción. La Paz: MUSEF.
  • Rattunde, Naomi, María Susana Cipolletti, Carla Jaimes Betancourt & Karoline Noack (Hg.) (2019). Eramone. Visiones del mundo | Weltsichten. Objetos de los Ayoréode en el Museo BASA | Objekte der Ayoréode im BASA-Museum. Bonner Amerikanistische Studien 54. Bonn & La Paz: Plural editores.

Text: Wiebke Adams, Jana Brass, Naomi Rattunde

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