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BOM! Juni 2019

Das BOM! im Juni, ein Keramikobjekt mit einer Darstellung der „gefiederten Schlange“, steht exemplarisch für einen der 115 Maya-Stempel aus der Wagner-Sammlung, die im Rahmen einer Masterarbeit einer eingehenden Kontextanalyse unterzogen wurden. Ziel war es, über Vergleichsfunde aus Grabungsberichten und musealen Sammlungen neue Erkenntnisse über Herkunft, Alter, Funktion sowie die kulturelle Bedeutung dieser Objektart zu gewinnen.

„Gefiederte Schlange“ / Stempel. Inv.-Nr. 5309. Maya-Kultur BOM2019-06„Gefiederte Schlange“ / Stempel

Inv.-Nr. 5309
Keramik
Maya-Kultur
Guatemala, Hochland
Sammlung Wagner

 

Die „gefiederte Schlange“ ist in der Bildsprache der Maya häufig verwendet. Sie wird als göttliches Symbol verehrt und versinnbildlicht die schöpferische Kraft der Sonne sowie die Erneuerung des Lebens. Außerdem findet sie als Gucumatz Erwähnung im Popol Wuj der K’iche‘-Maya, wo sie als souveräne Schlange mit langen, blau-grün schimmernden Schwanzfedern des Quetzal-Vogels als Schöpferwesen auftritt.

Der aus gelblich-braunem Ton gebrannte Flachstempel aus dem Hochland Guatemalas ist mit mehreren Engobe-Schichten überzogen. Der Körper der abstrahierten Schlange mit weit geöffnetem Maul im Seitenprofil ist mit Dreiecken gemustert. An ihrem Kopf sind die charakteristischen Schmuckfedern zu sehen (ca. 550 bis 1520 n. Chr.). Indirekte Nachweise für eine mögliche Verwendung der Stempel ergeben sich vor allem aus der Bildsprache der Maya. So können Stempel als Werkzeuge zur Anbringung dekorativer Elemente bei der Keramik- oder Textilherstellung oder auch für rituelle Körperbemalung verwendet worden sein. Auffällig ist, dass der Stempel nach seiner Beschädigung bzw. Abnutzung augenscheinlich repariert und erneut mit Engobe überzogen wurde, denn die äußere Beschichtung verläuft über die alten Bruchkanten.

Mittels Kontextanalyse konnten in der Herkunftsregion Flachstempel mit vergleichbaren Darstellungen aus den spät- bis postklassischen Stätten Serchil und Zaculeu (Dep. Huehuetenango) nachgewiesen werden, die als Grabbeigaben dienten. Aufgrund der räumlichen Nähe beider Orte lässt sich ein lokaler Bestattungsritus vermuten, bei dem Verstorbenen symbolisch die erneuernde Kraft der Schlange mitgegeben wurde. Möglicherweise zeigen Stempel dabei auch deren familiäre Zugehörigkeit oder soziale Position an. Schlussfolgern lässt sich, dass das Objekt nicht nur symbolische, sondern als Werkzeug und Ritualgegenstand auch eine große soziale Bedeutung hatte.

 

Literatur

  • Field, Frederick V. (1967). Thoughts on the Meaning and Use of Pre-hispanic Mexican sellos. Washington D. C.: Dumbarton Oaks, Trustees for Harvard University.
  • Riemann, Anne-Marit (2019). Stempel im vorspanischen Mesoamerika: Eine Kontextanalyse der archäologischen Stempelsammlung der Familie Wagner aus Guatemala in der Bonner Altamerika-Sammlung (BASA). Unveröffentlichte Masterarbeit, Universität Bonn.
  • Roldán, Julio A. (1998). „Hallazgos recientes en el sitio arqueológico Serchil, Huehuetenango”. In: J.P. Laporte / H. Escobedo (Hrsg.). XI Simposio de Investigaciones Arqueológicas en Guatemala, 1997. Museo Nacional de Arqueología y Etnología, Guatemala, S. 605-615.
  • Woodbury, Richard B. / Aubrey S. Trik (1953). The Ruins of Zaculeu Guatemala, Vol. 1. Richmond: The William Byrd Press.

Text: Anne-Marit Riemann

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