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BOM! April 2019

Das BOM! im April, ein aus Messing gegossener Hahn, steht als eine der berühmten „Beninbronzen“ im Zentrum einer Debatte um den angemessenen Umgang mit Kunst- und Kulturgütern, die in unterschiedlichen so genannten Unrechtskontexten erworben und gehandelt wurden.

„Hahn, Bronzeplastik“

Inv.-Nr. 769
vermutlich Messing
ehem. Königreich Benin (Süd-Nigeria)
Ankauf Micha, 1957

 

Das Königreich von Benin, das sich über das Gebiet des heutigen Bundesstaats Edo im südwestlichen Nigeria erstreckte, geriet 1897 unter britische Kolonialherrschaft. Im Zuge einer Strafexpedition wurde der Palast des Königs (Oba) gewaltvoll geplündert. In der Folge fanden unzählige Kunstwerke ihren Weg auf den europäischen Kunstmarkt und von dort auch in viele Museen – darunter die berühmten „Beninbronzen“, zu denen wertvolle Kunstwerke u.a. aus Messing und Elfenbein zählen.
Auch der „Hahn, Bronzeplastik“, so die Bezeichnung auf der Karteikarte des Objekts Nr. 769 in der Sammlung des BASA-Museums, gelangte so nach Bonn: 1957 erwarb Franz Josef Micha im Auftrag von Hermann Trimborn das Objekt von einem Antiquitätenhändler in London, dessen Name als „Thomas“ vermerkt ist. Zusammen mit einem zweiten aus Messing gegossenen Vogel aus Benin kaufte Micha insgesamt knapp 100 Objekte unterschiedlicher Herkunft für die im Aufbau befindliche Lehr- und Studiensammlung aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an.
Nach seinem Eingang in die Sammlung wurde für den „Bronzehahn“ eine Karteikarte angelegt, auf der als ursprüngliche Funktion „Schmuckaufsatz auf den Giebeltürmchen des Königspalastes in Benin“ angegeben wurde. Diese Vermutung hat sich als falsch erwiesen und kann möglicherweise auf einen vorschnell gezogenen Vergleich zu den in Europa verbreiteten „Dachhähnen“ zurückgeführt werden. Wahrscheinlicher ist hingegen, dass er als Altaraufsatz eines Ahnen-Altars zu Ehren der Königinmutter (Iyoba) diente. Der Hahn galt als machtvolles Symbol der Iyoba und stand gleichzeitig für die auf dem Altar geopferten Tiere, zu denen auch Geflügel zählte.

Seit einigen Jahren stellen die aus dem Palast geraubten Kunstwerke zentrale Objekte innerhalb einer komplexen Debatte um den angemessenen Umgang mit geraubter und erbeuteter Kunst aus kolonialen Kontexten dar, die auch Fragen nach der Rückgabe von Objekten beinhaltet. Vor diesem Hintergrund ist der „Bronzehahn“ (neben dem Ekeko, dem März-BOM!) Ausgangspunkt einer Diskussionsveranstaltung zu Provenienzforschung und Restitution, die am 10. April 2019, dem 1. Tag der Provenienzforschung, im BASA-Museum stattfinden wird.

 

Literatur

  • Ezra, Kate (1992). Royal Art of Benin. The Perls Collection in the Metropolitan Museum of Art. New York: The Metropolitan Museum of Art.
  • Förster, Larissa, Iris Edenheiser, Sarah Fründt und Heike Hartmann (Hrsg.) (2018). Provenienzforschung zu ethnografischen Sammlungen der Kolonialzeit. Positionen in der aktuellen Debatte. Arbeitsgruppe Museum der Deutschen Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie.

Text: Jana Brass

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