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BOM! März 2019

Der „Glücksgott“ Ekeko soll Wünsche erfüllen können, die ihm in Form von Miniaturen (illas oder alasitas) umgehängt werden. Die Figur ist Teil der Sammlung Hermann Trimborn, die im BMBF-Verbundprojekt „Die Sammlungen – ein Kosmos“ untersucht wird.

Ekeko

Inv.-Nr. 1164 und 1164a (Hut)
Gips (Figur), div. Materialien (Miniaturen)
La Paz, Bolivien
Sammlung Hermann Trimborn

 

Die bedeutendste Rolle spielt der Ekeko für die Bewohner_innen der andinen Hochebene Boliviens und Perus während der Feria de Alasitas, die jährlich ab dem 24. Januar stattfindet. Er soll materielle und immaterielle Wünsche erfüllen können – sei es Gesundheit, beruflicher Erfolg oder ein eigenes Haus. In Form von Miniaturen (illas, alasitas) wird käuflich erworben, was von ihm erbeten wird, und die Figur mit oft zahlreichen illas behängt. Damit sie wachsen und dadurch die Wünsche in Erfüllung gehen können, ist die Einhaltung einer bestimmten rituellen Praxis zu ihrer Aktivierung notwendig: Nachdem die illas auf dem Markt gekauft wurden (Geiz und Verhandeln sind hierbei ausdrücklich unerwünscht), führt ein yatiri, ein ritueller Spezialist der Aymara, die ch‘alla durch. Diese beinhaltet die Anrufung von Schutzgeistern, das Besprenkeln der illas mit Alkohol, Blüten und Schafswolle und die Rezitationen von Texten auf Aymara und Spanisch. Außerdem erfolgt die Segnung der illas durch katholische Priester. Da der Großteil der Wünsche sich auf materiellen Wohlstand bezieht, wird der Ekeko häufig auch als „dios de la abundancia“ bzw. „prosperidad“ bezeichnet wird, als „Gott des Überflusses, Wohlstands oder Glücks“.

Über die Ursprünge des Ekeko besteht Unklarheit. Theorien, die den Ekeko mit dem präinkaischen Gott Tunupa gleichsetzen, gelten nicht mehr als fundiert. Dass die rituelle Praxis der illas oder alasitas insgesamt jedoch auf präinkaische Praktiken zurückgeht, gilt als wahrscheinlich.

Das Objekt wurde Mitte der 1950er Jahre in La Paz durch Hermann Trimborn, den ersten Lehrstuhlinhaber des damaligen Seminars für Völkerkunde, für dessen Lehr- und Studiensammlung (die heutige BASA) erworben. Seitdem war es in zahlreichen Ausstellungen zu sehen und ist seit 2016 Gegenstand des Forschungsprojekts „Die Sammlungen – ein Kosmos. Von der Vernetzungs-wissenschaft Alexander von Humboldts zu objektbasierten Wissensanordnungen im Netzzeitalter“. Im November 2019 wird das Projekt mit einer Ausstellung abgeschlossen werden, in der auch der Ekeko gezeigt werden soll.

 

Literatur

  • Golte, Juürgen und Doris León Gabriel (2014). Alasitas. Discursos, prácticas y símbolos de un “liberalismo aymara altiplánico” de origen migrante en Lima. Urbanización, migraciones y cambios en la sociedad peruana 25; Serie Antropología 19. Lima: Instituto de Estudios Peruanos.
  • Oros Rodríguez, Varinia (2017). Alasitas. Donde crecen las illas, La Paz: Museo Nacional de Etnografía y Folklore (MUSEF).
  • Trimborn, Hermann (1968). Indianer von gestern, heute und morgen. Beobachtungen zum Kulturwandel in den Anden Boliviens. Kulturgeschichtliche Forschungen 12. Braunschweig: Albert Limbach, S. 75f, Abb. 84.

Text: Jana Brass

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