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BOM! Februar 2019

Diese Keramikfigur ist Teil einer kleinen archäologischen Sammlung von 13 Objekten aus den Llanos de Mojos in Bolivien, die durch Heinz Kelm in die BASA kamen. Kelm, der die Stücke in Santa Cruz erwarb, berichtet, dass sie 1921 von Herrn Pablo Seng in einem künstlichen Hügel in der Nähe der Siedlung San Joaquín im Fluss Machupo gefunden wurden. Leider sind uns keine weiteren Daten über den archäologischen Kontext bekannt.

Figurine

Inv.-Nr. 1726
Mojos
Keramik
Bolivien, Dpto. Beni
Sammlung Heinz Kelm

 

Die 12 cm hohe, 6,5 cm breite und 1,6 cm dicke Figurine aus gebranntem Ton wurde von Kelm (1963: 87) als „Idol“ unregelmäßiger Proportionen und mit unklaren Merkmalen beschrieben. Tatsächlich hat die Figur eine rechteckige und kompakte Form. Der Kopf ist durch seitliche Kommissuren vom Körper getrennt. Tiefe Inzisionen markieren die Augen und den Mund. Um den Hals herum sind zwei Reihen Halskette zu sehen. Oberflächliche Einritzungen kennzeichnen den Bauchnabel und Genitalbereich. Die modellierten Beine sind im Verhältnis zum Rest des Körpers kurz.

Anthropomorphe Figuren wie diese werden immer wieder in verschiedenen Arealen der Llanos de Mojos gefunden, die meisten von ihnen haben feminine Attribute. Ähnliche Figurinen, die in monumentalen Hügeln im Südosten der Llanos de Mojos gefunden wurden, datieren zwischen 800 und 1400 n. Chr. (Prümers 2015: 223-225). Wofür die Figuren im Amazonasgebiet verwendet wurden, ist noch Gegenstand von Diskussionen (Barreto 2017). Sie werden mit einem magisch-religiösen Sinn versehen oder auch mit Heilungs-Ritualen in Verbindung gebracht. Die Figuren könnten aber auch spielerische Funktionen erfüllt haben, etwa als Puppen für Kinder, was erklären würde, warum sie häufig fragmentiert und im Kontext von Müllhalden gefunden werden.

Figurine im Museo Etnológico Kenneth Lee, Beni – Bolivia. Foto: Fernando Miranda.

 

Literatur

  • Barreto, Cristiana (2017). „Figurine Traditions from the Amazon“. In: Timothy Insoll (Ed.). The Oxford Handbook of Prehistoric Figurines. Oxford: Oxford University Press.
  • Kelm, Heinz (1963). „Archäologische Fundstücke aus Ostbolivien“. Baessler-Archiv, Neue Folge, Band XI.36: 65-92.
  • Prümers, Heiko (2015). Loma Mendoza. Las excavaciones del Instituto Arqueológico Alemán y de la Dirección Nacional de Arqueología en los años 1999-2002. Ed. Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen des Deutschen Archäologischen Instituts. La Paz: Plural editores.

Text: Carla Jaimes Betancourt

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