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BOM! November 2018

„Manillas“ genannte hufeisenförmige Kupferringbarren galten in westafrikanischen Gesellschaften als Schmuck, Statussymbol und Tauschgegenstand, bevor sie den Europäern als Währung im Sklavenhandel dienten. Diese miteinander verflochtenen, sich überschneidenden Nutzungsweisen machen die „manilla“ zu einem Sinnbild der im neuen Excellenzcluster „Beyond Slavery and Freedom“ (2019-2025) geplanten Forschungen.

manilla | Kupferringbarren. Inv.-Nr. 495. BOM! 2018-11manilla | Kupferringbarren

Inv.-Nr. 495
Kupfer
Nigeria

 

Der ca. 1850 Gramm schwere Kupferringbarren aus Nigeria wurde, zusammen mit zwei weiteren „manillas“, am 3.12.1965 von Heiko Grosche aus Köln angekauft. Er ist mit unterschiedlichen Mustern versehen und in sich gedreht, wodurch er sich von den beiden anderen, zudem kleineren, unterscheidet. Es ist nicht bekannt und erforscht, aus welcher Epoche das Objekt stammt, wo es hergestellt, und zu welchem Zweck es wo und von wem verwendet wurde. Damit sind weite Teile der Objektbiographie, einschließlich der Fragen nach Provenienz und Wanderungsgeschichte, offen und sehr wahrscheinlich nicht mehr zu rekonstruieren. Grosche erklärte in seinem Anschreiben an Hermann Trimborn, dem Gründer und damaligen Direktor des Seminars für Völkerkunde, er sei „zufällig in den Besitz der Stücke gelangt […], deren Ursprung sich von mir aus ohnehin nicht mehr ermitteln läßt“. Weitere ähnliche Objekte habe er an andere Sammlungen in Köln verkauft.

BOM2018-11_Poster-DependenyDie Ursprungs- und Verwendungsgeschichte der Objektgattung als solche und auch die ihrer Bezeichnung sind nach wie vor nicht eindeutig geklärt. Wahrscheinlich geht die Bezeichnung auf das Portugiesische „manilha“ bzw. Spanische „manilla“ für „Armreif“ oder „Handring“ zurück. Allerdings geht man auch davon aus, dass die halboffenen Ringe aus Kupfer, Messing oder Bronze bereits vor der Ankunft der Portugiesen im 15. Jahrhundert in Westafrika von den Einheimischen als Tauschmittel verwendet wurden. Diese Art Kupfergeld diente Frauen gleichzeitig als Schmuck und als Zeichen ihres Wohlstandes. Während der Kolonialzeit (16.-19. Jh.) wurden solche Kupferbarren von den Europäern selbst, etwa in Portugal und England hergestellt, um damit Sklaven in Afrika einzutauschen. Die Funktion der „manillas“ als Tauschmittel blieb bis ins 20. Jahrhundert hinein von Bedeutung.

Dass die heute auf den amerikanischen Kontinent fokussierte BASA auch Objekte aus anderen Weltregionen umfasst, liegt daran, dass Trimborn zunächst einen universalen Sammlungsansatz verfolgte.

 

Literatur

  • Guyer, Jane (2009). „Manillas, Money and the Cost of Legitimacy in the mid-20th Century: A Royal Account in Eastern Nigeria“. Catherine Eagleton, Harcourt Fuller und John Perkins (Hg.): Money in Africa. London: The British Museum, S. 38-44.
  • Marx, Christoph (2004). Geschichte Afrikas. Von 1800 bis zur Gegenwart. Paderborn [u.a.]: Ferdinand Schöningh.
  • Petri, Helmuth (1962). „Zahlungsmittel bei schriftlosen Völkern“. Saeculum XIII.4: 315-330.

Text: Daniel Grana-Behrens

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