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BOM! Oktober 2018

Wir eröffnen die Reihe „BASA-Objekt des Monats“ (BOM!) mit einer puúi-Kette. Sie befindet sich im Schaudepotbereich der aktuellen Sonderausstellung „eramone | Weltsichten. Objekte der Ayoréode in der BASA“ und stellt eine Verbindung zum neuen Forschungsprojekt der BASA über chaquiras (Perlen und daraus gefertigte Objekte) aus Südamerika dar (Teil des BMBF-Verbundprojektes „SiSi“).

puúi | Kette aus Samen. Inv.-Nr. 1590. Ayoréode. BOM! 2018-10puúi | Kette aus Samen. Inv.-Nr. 1590. Ayoréode. BOM! 2018-10puúi | Kette aus Samen

Inv.-Nr. 1590
Ayoréode
puúi-Samen, Garabatá
Bolivien, Dpto. Santa Cruz
Sammlung Heinz Kelm

 

Die einfach gelegte, über 2 Meter lange Kette besteht aus schwarzen, puúi genannten Samen. Diese wurden in Wasser aufgeweicht, mit einem spitzen Werkzeug ojnai perforiert, gespalten und nach dem Trocknen auf einer dünnen Schnur aus Garabatá-Fasern aufgefädelt, deren Enden miteinander verknotet wurden. Neben der puúi-Kette finden sich in den Ayoréode-Sammlungen Heinz Kelm und Ulf Lind in der BASA auch solche aus Federkielen, Bambus, industriell gefertigten Perlen und aus Menschen- und Ameisenbären-Haar. Ein Blick ins Ethnologische Museum Berlin, wo ebenfalls Ayoréode-Sammlungen von Kelm und Bernd Fischermann anzutreffen sind, verrät, dass das Spektrum an Materialien, aus denen die Ayoréode Perlen bzw. Ketten herstell(t)en, auch andere Arten von Samen, Plastik- und Glasperlen, aus zu Röhren geformte Blechstücke und Knöpfe umfasst.

Dieser junge Mann trägt um den Hals eine Kette aus mehreren Strängen verschiedenfarbiger Perlen, die durch rote Fäden miteinander verbunden sind, und eine weitere aus Bambusstücken um den Oberkörper. El Faro Moro, Paraguay, 1969/1970. Foto: Archiv Ulf Lind.Wenngleich viele historische Fotografien Ayoréode mit unterschiedlichen Arten von Ketten zeigen, werden sie in der Literatur meist nur knapp als Schmuck erwähnt, während über ihre Bedeutung in der Weltsicht der Ayoréode kaum etwas zu erfahren ist. Offenbar sind gerade Ketten aus puúi-Samen besonders beliebt und werden insbesondere von Jugendlichen zum Fest der asojna angelegt. Während in der oralen Tradition der Ayoréode für (fast) alle ihnen bekannten Objekte und Phänomene Geschichten über deren Herkunft existieren, scheint das für den puúi-Samen nicht der Fall zu sein. Allerdings zeigt der einzige dokumentierte, explizite Hinweis auf die Bedeutung der puúi-Ketten, dass ihnen eine starke Macht innewohnt: Sie können ihre Besitzer verwünschen und sogar ihren Tod bewirken.

 

Literatur

  • Bórmida, Marcelo (1974, 1975). „Ergon y mito. Una hermenéutica de la cultura material de los Ayoreo del Chaco Boreal“, Teil II und III. Scripta Ethnologica 2.2: 41-107 und 3.1: 73-130.
  • Bórmida, Marcelo und Mario Califano (1978). Los indios ayoreo del Chaco Boreal. Información básica acerca de su cultura. Buenos Aires: Fundación para la educación, la ciencia y la cultura.
  • Fernández Distel, Alicia A. (1983). „La Cultura Material de los Ayoreo del Chaco Boreal“. Scripta Ethnologica Supplement 3: 5-78.

Text: Naomi Rattunde

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